29.05.2018

St.-Thomas-Kirche Wolfenbüttel

Hillebrand 1970, II/P/21
Spieltisch Altarraum, III/P/21 + 29 dig. Register

pdf Disposition und Beschreibung der Orgel

 

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Nachlese (Jochen Thierig)

Das Treffen war mit elf TeilnehmerInnen gut besucht. Dies waren die Kolleginnen und Kollegen Hans-Hermann Haase (H3), Konstantin Birker, Claus-Eduard Hecker, Roland Rüdiger, Jochen Thierig, Kerstin Wahlbuhl, Celina Wiezcorek, Günther Wolters, Ingo Dietze, Heidi Lauterbach und Angelika Uhde.

Das Treffen beginnt mit einer kurzen Begrüßung und Erklärung, warum Jens-Holger Schenk als Initiator nicht anwesend sein kann [Anm. JHS: Dienstreise]. Ein Fehler in der Einladung hat dazu geführt, dass für 18.30h und nicht für 19h eingeladen wurde. In Zukunft wird es 19h sein. Für September 2018 ist der Besuch der Kirche BS-Stöckheim mit der neuen Orgel der Orgelbaufirma Fay vorgesehen. Mai 2019 wird uns nach BS-Lehndorf in die Heiligkreuzkirche führen. Für September 2019 könnte SZ-Ringelheim als Ort gewählt werden.

Anschließend erläutert der Kantor der Thomaskirche Hans-Hermann Haase die Orgel. Die Originalorgel mit 21 Registern wurde von der Orgelbaufirma Hillebrand errichtet und wurde aus raumtechnischen Gründen und wegen musikalischer Anforderungen 1999 durch einen elektrifizierten beweglichen Spieltisch und 29 digitale Register erweitert, sodass nun auch romantische Musik besser dargestellt werden kann und die musikalischen Gruppen wie Chöre und Posaunenchöre, die im Kirchenraum sitzen, durch den Kantor direkt angeleitet werden können. Das Schwellwerk auf dem dritten Manual ist nur mit digitalen Registern belegt, ahmt aber den Klang eines Pfeifenschwellwerkes sehr gut nach. Herr Haase betont, dass diese digitale Erweiterung ein Kompromiss war und ist, der sich sehr bewährt hat, dass er aber grundsätzlich die digitalen Register nur als Beimischung zu Pfeifenregistern benutzt. Der Originalspieltisch auf der Empore ist nach wie vor voll spielbereit. Die Elektrifizierung wurde von der Fa. Sauer/Frankfurt, Oder vorgenommen, der Spieltisch und die Digitalisierung von der Fa. Ahlborn.

Im Anschluss präsentiert Herr Haase die Orgel mit einer Improvisation à la Nicolaus Bruhns. Die Niederschrift dieser Improvisation wird unter den TeilnehmerInnen zur freien Benutzung verteilt (s. Anhang). Außerdem spielt er das von ihm komponierte Choralvorspiel zu ‚Ich möchte Glauben haben‘ und verteilt die kopierten Noten.

Nun spielen einige TeilnehmerInnen Orgelwerke vor, die als Anregungen für den sonntäglichen Gottesdienst dienen können. Aus dem Sammelband ‚Louis Vierne (1870 – 1937): 24 Pièces en style libre‘ vom Verlag Durand, Paris spielt Jochen das Préambule 1. Diese Stücke sind insgesamt geeignet für stille Phasen im GD. Ingo spielt aus den ‚8 kleine Präldudien und Fugen‘ von J.S. Bach das 6. Präludium. Diese Orgelwerke können gut als Vor- / Nachspiel genutzt werden, u.U. ohne die Fugen.

Konstantin und Christiane spielen vierhändig aus der Toot Suite von P.D.Q. Bach den O.K. Chorale und die Fuga vulgaris. Herausgegeben wird der Band von Professor Peter Schickele im Theodore Presser Verlag. Das Stück nutzt bekannte Motive aus Bachschen Orgelwerken und modernisiert sie in Rhythmus und Harmonien.

Aus der ‚Schule für elektronische Heimorgeln‘ von Wolfgang Schneider, Verlag Hans Sikorski, spielt Celina den Tip Top Dixie. Die Pedalstimme muss allerdings hinzugedacht bzw. -gefügt werden. Das Stück hat seinen Platz eher in modern geprägten GDen.

Heidi spielt aus ‚Lobsinget dem Herrn, leichte bis mittelschwere Orgelmusik‘ aus dem Strubeverlag eine Fantasie vor. Dieses Stück eignet sich z.B. als Vor- oder Nachspiel bei besonderen GD, z.B. zum Einzug Konfirmanden usw., da es relativ lange dauert.

Mit Dank an H3 endet die Veranstaltung um 20.05h.

  

Nachlese (H3)

Die beiden Stücke von mir dürft Ihr gerne anwenden und auch ggf weitergeben. Es gibt darauf keine Rechte - Kopieren erlaubt - keine Probleme mit der GEMA.

Zu dem Präludium im Stile von Bruhns hier noch kurz ein Tipp zur Interpretation:
die einzelnen Abschnitte des ersten und vierten Teil bitte ganz frei im Tempo spielen - also nicht brav nach Metronom.

Was ich gestern vergessen habe zu erwähnen: ich habe das Stück am vergangen Sonntag (=> Trinitatis) im Gottesdienst gespielt. Unser Pfarrer hat dazu der Gemeinde eine theologische Deutung gegeben und die möchte ich Euch hiermit nachliefern:

1. Teil Plenum  => Gott Vater
2. Teil fugierter Abschnitt => eine Fuge ist die Verbindung zwischen den Steinen in einem Bauwerk. Jesus Christus ist der Mittler, die Verbindung zwischen Gott und den Menschen.
3. Teil als Zwischentoccata hell und leicht und schwebend => das könnte der Heilige Geist sein. "Der Geist weht, wo er will"
4. Teil Tutti als Zusammenfassung

Das haben wir am vergangenen Sonntag sehr erfolgreich bei uns praktiziert. Die Gemeinde hat es positiv aufgenommen und war dankbar dafür, dass Musik "erklärt" wurde.

Natürlich ist das keine Programmmusik - ist ja erst viel später entstanden. Aber es ist durchaus denkbar, Musik auch theologisch zu interpretieren.

Wenn Euer Pastor bei solch einer Idee mitmacht, dann wird das ganz sicher ein Erfolg werden. Dazu möchte ich Euch ermuntern. Viel Spaß beim Spielen - vielleicht nächstes Jahr an Trinitatis.

 

Downloads (Quelle H3)